„Märchen kann man in seinem Leben zweimal und zwiefach lesen. Zuerst einfältig, als Kind, mit dem naiven Glauben, dass die belebt bunte Welt ihrer Geschehnisse eine wahrhaftige sei, und dann, viel, viel später mit dem vollen Bewusstsein ihrer Erfindung.“
Stefan Zweig

„Es war einmal“ oder „Vor langer Zeit....“, so beginnen die meisten Märchen und enden mit „...und wenn sie nicht gestorben sind....“. Dazwischen befindet sich der gesamte Kosmos an menschlichen Schicksalen. Immer auf der Suche nach Glück geben die Protagonisten ihr Schicksal in die Hände von Hexen, schönen Prinzen oder Naturmächten des Waldes. Märchen sind voller Symbole und so ist „Into the woods“ ein Musical von tiefenpsychologischer Tragweite wie wir sie nur selten in diesem Unterhaltungsgenre finden. Wenn wir als junger Mensch diese Märchen zum ersten Mal lesen, sind einige von uns schon auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, der allein das innere und äußere Chaos des eigenen Seins erträglich macht und machen sich wie Hans im Glück auf die Suche. Andere werden in dieser Zeit noch von ihren instinktiven Verhaltensmustern geführt und getragen. Sie erleben die Liebe, die Natur, die Arbeit, den Spaß mit den Freunden oder den Sport als unmittelbar sinnbefriedigend. Deswegen ist Rotkäppchen nicht oberflächlicher als Rapunzel, sie wird anfänglich nur ohne Reibungen vom Lebensstrom getragen; wie in einem geschlossenen Eisenbahnwagen, in dem man erst, wenn er anhält oder anfährt, merkt, dass er sich überhaupt bewegt. Im Leben, wie im Märchen, beginnt die eigentliche Menschwerdung, der Individuationsprozess, die bewusste Auseinandersetzung mit dem größeren inneren Menschen oder dem eigenen Seelenzentrum, meistens mit einer Verwundung oder einem Leidensszustand, der eine Art Berufung darstellt, oft aber nicht als diese erkannt wird. Der Bäcker und seine Frau wünschen sich ein Kind, Aschenputtel einen Prinzen, Hans Milch von der Kuh. Oft fühlt man sich in seinem Begehren aber behindert und projiziert das Hindernde nach außen und macht Gott, die Weltlage, den Chef, den Partner oder aber die Hexe, die Riesin oder gewisse Momente und Umstände verantwortlich für das, was einem nicht passt. Wenn äußerlich alles in Ordnung scheint, ist es oft die Langeweile, die den rechten Sinn des Lebens nicht erkennbar werden lässt. Die Kinderlosigkeit der Bäckerin oder die triste Stimmung in Hans’ Leben werfen ihre Schatten an das Herannahen des „großen inneren Menschen“ (C.G. Jung) voraus. Im Märchen ist es dann oft etwas ganz Bestimmtes, was für die Heilung der Not gebraucht wird. „Ein Mäntelchen so rot wie Blut“, „Die Kuh so weiß wie Milch“, „Das Haar so gelb wie Korn“ und der goldene Schuh sind es in „Into the woods“. Es ist immer etwas sehr schwer Auffindbares, was die Not wenden könnte, und so ist es auch mit den beschriebenen Situationen im Leben. Man macht sich auf die Suche nach etwas, von dem man manchmal nicht einmal weiß, was es ist. Wenn man es dann finden will, hilft nur eines, dass man sich dem heran nahenden Dunkel des Waldes zu- wendet und die verborgene Zielrichtung vorurteilslos zu erforschen sucht. Im zweiten Teil dieses Musicals geht es darum, aus der Erfüllung der Wünsche die Konsequenzen zu ziehen und das durch verantwortliches Handeln und Mut. In diesem Fall hat das Leben unserer Hauptdarsteller einige bittere Pillen parat, die geschluckt werden müssen. Schmerzliche Einsichten in das, was man lieber nur an anderen wahrhaben möchte. Um ihre Ziele zu erreichen, waren alle Figuren bereit ein wenig zu lügen und zu schachern. Jetzt gilt es auf dem Weg zum Erwachsenwerden auf Hexen und Riesen zu verzichten und Verantwortung für das eigene Leben und Handeln zu übernehmen. Es lohnt sich.
Das Kreativteam
Bühnenbild: Sascha Wienhausen
Realisation: Peer Rudolf
Herstellung: Werkstätten der Städtischen Bühnen Osnabrück Kostüme: Städtische Bühnen Osnabrück, German Musical Academy Leitung emma-theater: Reinhard Habeck
Sounddesign: M.A. Systems, Sascha Wienhausen
Rechte: Musik und Bühne Wiesbaden
Deutscher Text: Michael Kunze
Musik und Texte: Stephen Sondheim
Regie: Sascha Wienhausen
Regieassistenz: Johanna Katharina Rau
Musikalische Leitung: Martin Wessels_Behrens
Musikalische Assistenz: Christian T. Müller
Lichtdesign: Sascha Wienhausen
Programm und Plakatdesign: GTA
Die Besetzung:
Erzählerin / Geheimnisvolle Frau: Silja Schenk / Jasmin Göttmann
Bäcker: Sebastian Sohn
Frau des Bäckers: Jessica Krüger / Carolin Fink
Hexe: Juliane Bischoff / Esther Lach
Hans mit der Bohnenstange: Fabio Travaglino / Jörn Ortmann
Hans Mutter: Maria Borisch / Steffi Rosenbohm
Rotkäppchen: Maria Lena Hecking / Melina Genzmer / Lisette Kiefer Wolf: Claudio Meyer / Dominik Meurs
Aschenputtels Prinz: Christopher Wüst / Andreas Lutsch
Aschenputtel: Janina Hinrichs / Nicole Behnke
Aschenputtels Mutter/Dornröschen: Lina Kang / Ellen Schaeben
Rotkäppchens Oma/Schneewittchen: Britt Löwenstrom /Stefanie Adam
Riesin: Vanessa Hanetzky
Aschenputtels Vater / Kammerdiener: Robby Plücker
Aschenputtels Stiefmutter: Ulrike Fassnacht / Rosaly Oberste-Beulmann
Florinda, Aschenputtels Stiefschwester: Corinna Kammann / Ricarda Berelsmann
Lucinda, Aschenputtels Stiefschwester: Cecilia Korte / Anna Kniel
Rapunzels Prinz: Ronny Churt / Stefan Lehmann
Rapunzel: Janina Keppel / Christine Fitz
















































